Das Zentrum Über uns

Das Camilla-und-Georg-Jellinek-Zentrum für Ethik nutzt das gesamte Potential der Voll-Universität Heidelberg und wird von seinen Mitgliedern getragen. Ethische Forschung und Reflexion soll nicht an vermeintliche Expert:innen in einem separaten Ethikzentrum delegiert werden, sondern überall dort stattfinden, wo sie relevant wird. 

Dazu wird das Zentrum ständig Projekte entwickeln, die verschiedene Perspektiven miteinander verbinden und die universitätsweit, über Projekt- und Fakultätsgrenzen hinweg, bearbeitet werden. Damit schafft es langfristige Kooperationen, die es erlauben, normative Fragestellungen schon in der Ausbildung neuer Fachkräfte und Wissenschaftler:innen zu verankern und insgesamt zum Leitbild der verantwortungsvollen Universität beizutragen.

Mit dem neuen Ethikzentrum bekräftigen wir als Universität unseren Anspruch, Wissenschaft nicht nur erfolgreich, sondern auch verantwortungsvoll zu gestalten.

Rektorin Prof. Dr. Frauke Melchior, Eröffnungsrede des Camilla-und-Georg-Jellinek-Zentrums für Ethik, 6. Oktober 2025

Unser Ansatz

Das Camilla-und-Georg-Jellinek-Zentrum für Ethik sticht durch seinen kooperativen und integrativen Ansatz hervor: Ethik wird nicht von außen „angewendet”, sondern von Fachleuten und Betroffenen zusammen erarbeitet. Kurz gesagt: Heidelberg schafft nicht einfach ein weiteres Ethikzentrum, sondern definiert neu, was ein Ethikzentrum sein kann: analytisch und eingebettet, partizipativ und universitätsübergreifend.

Die meisten Ethikzentren in Deutschland sind entweder disziplinär ausgerichtet – mit Schwerpunkt auf Bioethik, Technikethik oder angewandter Philosophie – oder sie arbeiten als separate Institute, die vom Tagesgeschäft der Fakultäten losgelöst sind. Dagegen verankert das Jellinek-Zentrum ethische Reflexion in der fachlichen und professionellen Umgebung der verschiedenen Fakultäten und Einrichtungen der Universität. Gleichzeitig öffnet das Zentrum einen Raum, in dem Mitglieder verschiedener Disziplinen, die sich mit ähnlichen ethischen und normativen Fragen beschäftigen, Ideen und Perspektiven austauschen und gemeinsam reflektieren können.

Das Jellinek Center versteht angewandte Ethik nicht als einseitige Anwendung philosophischer Prinzipien auf praktische Bereiche, sondern als einen Prozess der Zusammenarbeit zwischen Fachleuten und Ethikern. In diesem Prozess werden bestimmte Praxisbereiche – wie biomedizinische Forschung, klinische Versorgung oder berufliche Bildung – in enger Zusammenarbeit mit den in diesen Bereichen tätigen Personen detailliert analysiert.

Der Ansatz des Zentrums zielt darauf ab, ethische Reflexion praktisch und effektiv zu gestalten. Um dies zu erreichen, werden  empirische Erkenntnisse, normatives Denken und öffentliche Beteiligung kombiniert, wodurch kontextsensitive Erkenntnisse gewonnen werden, die in die Praxis und Politik einfließen können. In diesem Sinne ist angewandte Ethik Teil des transversalen Schwerpunktbereichs des Zentrums, da sie Fachwissen, partizipative Methoden und theoretische Reflexion miteinander verbindet.

Zweck des Ethikzentrums

Das Camilla-und-Georg-Jellinek-Zentrum hat gemäß seiner Satzung die Aufgabe, ethische und normative Fragestellungen, in Forschung, Lehre und Gesellschaft aus einer vorranging interdisziplinären Perspektive zu analysieren, kritisch zu reflektieren und lösungsorientiert zu bearbeiten. Das Jellinek-Zentrum befasst sich mit diesen Fragen stets in drei Dimensionen:

  1. Analyse ethischer Herausforderungen und normativer Konflikte:  Der aktuelle gesellschaftliche Wandel geht mit sich verschärfenden normativen Konflikten einher, die nahezu jeden Aspekt des gesellschaftlichen Lebens durchdringen: Politik, Wirtschaft, Rechtswissenschaft, Technologie, Pflege- und Gesundheitssysteme, Bildung und Wissenschaft, aber auch Kunst, Familienleben und die Beziehungen zwischen Menschen und Nicht-Menschen. Das JCfE fördert interdisziplinäre Forschungsprojekte zu aktuellen normativen Konflikten und ethischen Herausforderungen, sowohl auf grundlegender als auch auf angewandter Ebene.
  2. Professionalisierung der Ethik: Akademische Disziplinen und Berufe sind selbst von Normen und Werten geprägt. Die Funktion von Forschung hängt ebenso von diesen Orientierungen ab wie das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft. Daher besteht ein Bedarf an der Entwicklung und Pflege verantwortungsbewusster Praktiken und ethischer Selbstreflexion in der akademischen Professionalität. Das JCfE analysiert, wie sich berufliche Standards und ethisches Bewusstsein innerhalb wissenschaftlicher und anderer Berufsgemeinschaften entwickeln. Es trägt auch zur Gestaltung ethikorientierter Studienprogramme und Formate ethischer Argumentation in allen Fakultäten der Universität Heidelberg bei.
  3. Entwicklung ethischer Rahmenbedingungen für Institutionen: Von akademischen Einrichtungen wird zunehmend erwartet, dass sie sich gegenüber der Gesellschaft verantwortungsbewusst verhalten. Dies erfordert Strukturen und Institutionen sowohl im akademischen Bereich als auch in der Gesellschaft, die in der Lage sind, Partizipation, ethische Orientierung und akademische Freiheit zu fördern. Das JCfE untersucht und unterstützt institutionelle Formate, die ethische Überlegungen und verantwortungsbewusstes Handeln fördern – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Universität.

Themenbereiche

Derzeit gliedert das Camilla-und-Georg-Jellinek-Zentrum seine Aktivitäten in drei zentrale thematische Arbeitsbereiche und einen Querschnittsbereich mit Schwerpunkt auf innovativen Methoden. Diese Bereiche sind offen für weitere Entwicklungen und Spezifikationen und werden durch die Mitglieder gestaltet.