Internationaler Workshop Normative Conflicts in Polarized Societies
Wissenschaftler aus aller Welt kommen in Heidelberg zusammen, um den Zusammenhang zwischen normativen Meinungsverschiedenheiten und der zunehmenden sozialen und politischen Polarisierung international zu vergleichen und zu untersuchen. Der Workshop im Juli 2026 wird gemeinsam mit den Auslandsvertretungen der Universität Heidelberg in New York, Neu-Delhi, Santiago de Chile und Kyoto organisiert.
Mittwoch, 15. Juli, und Donnerstag, 16. Juli 2026
Jeweils 09:00 bis ca. 16:00 Uhr
Haus Buhl, Hauptstraße 232, Heidelberg.

Der Workshop
Normative Conflicts in Polarized Societies: Experiences from Different Contexts
Contemporary societies are experiencing multiple dynamics of deepening antagonisms and polarization. While these dynamics manifest differently across cultural contexts, economic structures, media infrastructures, and other factors, they share a common feature: normative conflicts both shape and are shaped by processes of polarization. Such conflicts can fuel antagonisms, even as they are themselves transformed by increasingly divided public spheres.
This workshop is dedicated to examining selected normative conflicts within specific societal contexts. It marks the launch of an annual series that will focus on the ethical dimensions of moral disagreement and public reasoning in pluralistic societies under conditions of polarization. Bringing together distinguished scholars from multiple countries and world regions, the workshop will explore normative conflicts in polarized societies from an international perspective. Postdoctoral researchers from each region will also actively contribute to the discussions.
A second fundamental objective of the workshop is to promote the creation of global scientific networks of researchers from different world regions, facilitated through strengthened structural collaboration among Heidelberg University’s four liaison offices for South Asia, East Asia, North America, and South America.
Links
Abendvortrag: „Spaltet Moral die Gesellschaft?"
Mittwoch, 15. Juli, 19:00 Uhr, Haus Buhl, Hauptstraße 232
Am ersten Abend des Workshops hält Diana Aurenque einen öffentlichen Abendvortrag mit dem Titel „Spaltet Moral die Gesellschaft?“
Der Vortrag fragt, ob Moral die Gesellschaft spaltet: Forschende diskutieren seit Langem, wie Säkularisierung und Aufklärung zwar Freiheit und gleiche Rechte schufen, zugleich aber gemeinsame moralische Bindungen schwächten und so Sinnverlust und soziale Fragmentierung begünstigen können. Am Beispiel der Magna Humanitas von Papst Leo XIV., die v. a. wegen ihrer scharfen Kritik an der künstlichen Intelligenz (KI) weltweit Aufmerksamkeit erregte, werden Kernwerte der katholischen Moral mit Grundprinzipien der liberalen Ethik (Wertneutralität, individuelle Autonomie) im Kontext medizinethischer Dilemmata gegenübergestellt — etwa in Bezug auf Leben, Tod, Technisierung oder Patientenwürde. Dabei zeigt sich die Spannung besonders deutlich: Katholische Lehren betonen verbindliche Prinzipien zum Schutz des Lebens und kollektive moralische Verpflichtungen, während liberale Ansätze auf individuelle Entscheidungsfreiheit und Kontextabhängigkeit setzen. Liberalismus fördert Pluralität, kann aber Solidarität schwächen; religiöse Moral stiftet Zusammenhalt, kann jedoch ausgrenzen. Der Vortrag endet mit Überlegungen, wie Politik und medizinische Institutionen gestaltet werden können, damit unterschiedliche moralische Auffassungen in der Gesundheitsversorgung koexistieren, ohne in normative Unterdrückung oder soziale Zersplitterung zu münden.
PD Dr. Diana Aurenque ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin in Tübingen.
Die Veranstaltung ist öffentlich. Um Anmeldung wird gebeten.
Poster Session
Eine Postersession richtet sich an Nachwuchswissenschaftler*innen (Postdoktorand*innen und Doktorand*innen) und bietet Raum für die Präsentation und Diskussion laufender oder abgeschlossener Forschungsprojekte. Die eingereichten Poster sollten zum Austausch anregen und während der Konferenz durch einen kurzen Vortrag ergänzt werden.
Die Poster können Projekte vorstellen, die sich explizit mit normativen Konflikten, Polarisierungsdynamiken oder dem Zusammenspiel beider Phänomene befassen. Die Poster können sich auf eine bestimmte geografische Region konzentrieren, dies ist jedoch nicht zwingend erforderlich. Innovative Ansätze zu normativen Fragen oder zur Berufsethik in wissenschaftlichen Berufen sind besonders willkommen.
Bitte beachten Sie, dass mindestens ein Mitglied des Autorenteams bei der Posterpräsentation anwesend sein muss, um Fragen zu beantworten und mit interessierten Teilnehmern zu diskutieren.

Centers Abroad
Mit der Einrichtung von Verbindungsbüros im Ausland stärkt die Universität Heidelberg ihre internationale Sichtbarkeit. Die Außenstellen der Ruperto Carola erfüllen die Funktion von wissenschaftlichen Knotenpunkten für Regionalstudien, sind Servicezentren für alle Einrichtungen der Universität und eröffnen ausländischen Graduierten den Weg nach Heidelberg.
Im Zuge der Förderung durch die Exzellenzinitiative hat die Universität Heidelberg sich institutionell mit Blick auf ihre internationalen Aktivitäten fokussiert und ihre Strategie zur Verschränkung von Transdisziplinarität und multilokaler Internationalität gestärkt. Damit ist sie in ihren drei großen Handlungsfeldern zu einem bedeutenden Akteur in ihren Zielregionen geworden: Sie betreibt Lehre, Forschung und Transfer zu, mit und in Südasien, Ostasien, den beiden Amerikas und Europa.



