Die Jellineks Die Namensgeber:innen Camilla und Georg Jellinek
Mit seiner Namensgebung bezieht sich das Ethikzentrum auf das Ehepaar Camilla und Georg Jellinek, die in Heidelberg forschten, lehrten und politisch tätig waren. Das Zentrum versteht sich im Geiste ihres interdisziplinären Wissenschaftsverständnisses und des theoretischen wie praktischen menschenrechtlichen Engagements.
Das Ethikzentrum trägt damit nicht nur den Namen von Camilla und Georg Jellinek, sondern auch ihr Vermächtnis: die Verpflichtung, Wissenschaft stets im Dienst der Gesellschaft zu denken und Verantwortung als Teil akademischer Exzellenz zu begreifen.
Rektorin Prof. Dr. Frauke Melchior, Eröffnungsrede des Camilla-und-Georg-Jellinek-Zentrums für Ethik, 6. Oktober 2025
Camilla Jellinek
Camilla Jellinek (1860–1940) war Frauenrechtsaktivistin, insbesondere in straf- und arbeitsrechtlichen Fragen und gilt als Pionierin der Sozialen Arbeit. Die gebürtige Wienerin setzte sich neben ihrem Einsatz für den Rechtsschutz von Frauen und der Entkriminalisierung von Abtreibung vor allem für das Recht von Frauen ein, zu studieren. Sie engagierte sich in zahlreichen Frauenvereinen, denen sie auch vorstand: Von 1901 bis 1933 leitet sie die Heidelberger Rechtsschutzstelle für Frauen und Mädchen. Das nötige juristische Wissen eignet sie sich unter anderem als Gasthörerin an der Ruprecht-Karls-Universität an. 1907 gründet sie in Heidelberg ein Wohnheim für Kellnerinnen. Ab 1916 war sie Vorstandsmitglied des Bundes Deutscher Frauenvereine und von 1926 bis 1930 Vorsitzende des Badischen Verbandes für Frauenbestrebungen. Die Ruprecht-Karls-Universität verlieh ihr 1930 die Ehrendoktorwürde der juristischen Fakultät.

Georg Jellinek
Georg Jellinek (1851–1911) war ein renommierter Verfassungs- und Völkerrechtler, der ab 1891 als Professor an der Universität Heidelberg wirkte. Geboren in Leipzig wuchs Jellinek in Wien als Sohn des Rabbiners Adolf Jellinek auf, studierte dort Rechtswissenschaften und promovierte 1872 an der Universität Wien. Nach seiner Habilitation lehrte er ebenda als Privatdozent und außerordentlicher Professor. Mit Umweg über Berlin und Basel wurde Georg Jellinek 1891 endlich ordentlicher Professor an der Ruprechts-Karls-Universität in Heidelberg. Bis zu seinem Tod lehrte als Professor für Allgemeines Staatsrecht, Völkerrecht und Politik. Von 1907-1908 war er der erste (Vize-)Rektor mit jüdischem Hintergrund. Zusammen mit Max Weber, Ludolf Krehl und anderen gründete er den interdisziplinären „Eranos-Kreis“, der vor allem religions- und kulturwissenschaftliche Fragestellungen erörterte. 1909 wurde er als außerordentliches Mitglied in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften aufgenommen.
Zu seinen Hauptwerken gehören die in Wien als ungenügend abgelehnte Habilitationsschrift Die sozialethische Bedeutung von Recht, Unrecht und Strafe (1878) und verschiedene Schriften zu Bürger- und Menschenrechten, vor allem aber die Allgemeine Staatslehre (1900). Aus letzterer stammt die heute als völkerrechtliches Standardmodell bekannte „Drei-Elemente-Lehre“ von Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt.

Antisemitische Verfolgung der Familie Jellinek in Heidelberg
Camilla und Georg Jellinek stammen beide aus jüdischen Familien. Beide erlebten wiederholt antisemitische Vorurteile und Verfolgung. Georg Jellineks anfängliches Scheitern im Wiener Universitätsbetrieb ist auch auf den stark verbreiteten Antisemitismus im Bildungsmilieu zurückzuführen. Camilla Jellinek musste 1933 ihr frauenpolitische Ämter aufgeben, da sie den Nazis als Tochter eines getauften Juden als „Nicht-Arierin“ galt; manche Vereinigungen lösten sich zudem unter dem Druck des neuen Regimes auf.

Zwei ihrer Kinder, Dora und Otto, wurden deportiert. Otto Jellinek starb 1943 in Folge seiner Misshandlungen durch die Nazis. Dora Jellinek überlebte Theresienstadt und war nach dem Krieg wieder als Lehrerin tätig. Der Sohn Walter Jellinek, ab 1929 ebenfalls Professor für Staatsrecht in Heidelberg, wurde 1936 zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Ihm gelingt es durch geschickten Einsatz seiner juristischen Fähigkeiten der Deportation zu entgehen. Er kehrt, wie auch seine Schwester, nach 1945 in seinen Beruf zurück.